Beziehungskiller Wut

Was passiert mit einem Menschen, der regelmäßig seine Bedürfnisse übergeht und seine Interessen verleugnet? Wie lange hält das jemand aus, ohne dass ihm unvermittelt der Kragen platzt? Manche sind da sehr langmütig. Das ist weder gesund noch sinnvoll. 

Wut ist das Ende der Fantasie

Jede Beziehung braucht einfallsreiche, sachliche und humorvolle Möglichkeiten sich zu verständigen und auszutauschen — und Wut gehört nicht dazu.

Wut ist ein Hilfeschrei: Wir fühlen uns überfordert, in die Ecke gedrängt oder permanent von etwas genervt. Kurz: Wir sind mit unseren ureigenen Bedürfnissen nicht zum Zuge gekommen.

Dabei kann es sich um das Bedürfnis handeln, in einer Gemeinschaft ein Rolle zu spielen oder einfach nur dazuzugehören.

Wenn das Bedürfnis nach Anerkennung unerfüllt bleibt, ziehen sich viele Menschen in ein Schneckenhaus zurück. Was ausgesprochen kontraproduktiv ist.

Wut ist eine schwierige Emotion, weil sie uns von der eigenen Wahrnehmung abschneidet.

In diesem Ausnahmezustand wird das Gehirn mit Stresshormonen geradezu überflutet — uns fällt einfach nichts Gescheitets mehr ein.

Jetzt geht es nur darum, die eigene Haut zu retten.

Wut überlagert die Wahrnehmung

Um etwas wahrzunehmen, anstatt kurzerhand zu reagieren, brauchen wir zweierlei: Zeit und den Kontakt zu unserem Inneren.

Denn dort findet Wahrnehmung statt. Um angemessen auf eine Situation zu reagieren, brauchen wir ein Gefühl für das, was gerade passiert.

Wenn uns nicht bewusst ist, wie wir uns mit einer Situation fühlen, haben wir keinen Zugang zu dem was wir brauchen bzw. was die Situation erfordert.

Die meisten Menschen sind von Hektik und Selbstzweifeln getrieben, dass sie sich selber nicht mehr wahrnehmen. Die gute Nachricht ist: Wahrnehmung kann man üben.

Sie brauchen dafür eine große Portion Ehrlichkeit für das, was Sie wirklich brauchen und die Überzeugung, es auch zu bekommen.

Mit einer gesunden Geduld kann jeder für sich und seine echten Bedürfnisse empfänglich werden.

Kennen Sie von sich selbst Wutanfälle?

Ganz sicher haben Sie aber andere Menschen schon wütend erlebt. Atmen Sie jetzt einmal tief ein und aus und erinnern sich eine derartige Situation: Was haben Sie dabei wahrgenommen?

War derjenige ganz bei sich, oder erschien er Ihnen hilflos? Hat diese Person Sie überzeugt? Oder fühlten Sie sich so angegriffen, dass Ihnen als Ausweg nur der Gegenangriff möglich war?

Wut ist nicht nur eine schwierige Emotion, sonden auch eine heftige. Wutausbrüche sind aus gutem Grund nicht salonfähig und werden unterdrückt.

Wenn das aber so weit geht, dass sie gar nicht mehr wahrhgenommen wird, kostet das sehr viel Kraft.

Das gesamte Geist-Seele-Körpersystem ist dann sehr mit Selbstkontrolle beschäftigt — bis die Dämmer erneut brechen.

Gibt es eine gute Lösung?

Ein Wutanfall ist die Folge eines Kontrollverlustes — Wut zu unterdrücken ist die Angst vor Kontrollverlust.

Der erste Schritt ist, Ihre Wut zu akzeptieren. Sie hat Gründe, die weit zurück in Ihre Kindheit reichen.

Wenn Sie sich das bewusst machen, ist der nächste Schritt nicht weit: Machen Sie sich auch bewusst, dass Ihr Wutanfall nicht der Person gilt, die ihn gerade ausgelöst hat.

Wenn Sie das schaffen, Sind Sie auf einem guten Weg.

Für alle diejenigen, die regelmäßig Zielscheibe der Wut anderer werden, gibt es auch eine Lösung.

Stellen Sie sich vor, es kommt ein heftig geworfener Ball auf Sie zugeflogen, der sein eigentliches Ziel verfehlt hat.

Was machen Sie? Stehen bleiben? Weinen? Wütend werden? Ich nehme mal an, Ihr Reflex funktioniert und Sie ducken sich weg.

Machen Sie genau das bei dem nächsten Wutanfall Ihres Chefs, Ihres Kindes oder Partners — ziehen Sie sich den Schuh nicht an, sondern denken Sie an den Ball — und ducken sich weg.

Beziehungskiller Wut — warum?

Wut ist unberechenbar. Für den der wütend wird (Kontrollverlust) und den, den es trifft (Opfer). Wut ist eine Entladung von Emotionen, die rein gar nichts zu einer geregelten Kommunikation beiträgt.

Aber genau das wird in Beziehungen gebraucht: Die Bereitschaft sich zu verständigen und Rücksicht auf die Gefühle der Partner zu nehmen. Wer das nicht tut, handelt rücksichtslos.

Beziehungskitt Selbstachtung

Es gibt einen Weg raus aus der Wut: Selbstachtung. Es ist eine Frage der Selbstachtung einem wütenden Menschen aus dem Weg zu gehen. Denken Sie an das Beispiel mit dem fliegenden Ball.

Das ist sicher nicht immer leicht und erfordert viel Fantasie. Mehr noch ist Standhaftigkeit gefordert. Sie werden öfter einknicken, dann heißt es, sich wieder gerade zu machen.

Mit der Zeit kommt das aber immer seltener vor.

Niemand hat das Recht, seiner Wut freien Lauf zu lassen. Wer dazu neigt, hat eine große Verantwortung: Für sich selbst und für andere. Über seine Wutanfälle hinauszuwachsen ist auch eine Frage der Selbstachtung. Und der persönlichen Entwicklung.

Ich wünsche Ihnen für dieses schwierige Thema einen offenen Geist.

Es kann nur besser werden!

 

 

 

 

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